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Bernhard Grzimek – Ein Leben für Tiere

Das berühmte Zebra-Flugzeug Dornier Do 27

Foto: © OKAPIA KG – Das berühmte Zebra-Flugzeug Dornier Do 27

Er sagte schon vor mehr als 50 Jahren die weltweit wachsenden Probleme zwischen den wachsenden Bevölkerungen und dem dadurch schrumpfenden Lebensraum der Natur und der Tierwelt in der gesamten Welt und in Ost-Afrika voraus. Bernhard Grzimek war weltweit einer der ersten Aktivisten für den Umweltschutz.
Vor 25 Jahren, am 13. März 1987, verstarb der weltbekannte Tierarzt, Verhaltensforscher, Autor und Herausgeber von Tierbüchern, Tierfilmer und Direktor des Frankfurter Zoo’s,  Prof. Dr. Bernhard Grzimek während der Tigershow einer Zirkusvorstellung.

1956 enstand sein Buch „Kein Platz für wilde Tiere“ und der Tier-und Urwaldfilm mit gleichem Namen. Das Buch erschien weltweit, wurde in viele Sprachen übersetzt und trug zur Überzeugung von Regierungen bei, Naturparks und Reservate in ganz Afrika zu errichten.
Für den Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“, der 1959 unter maßgeblicher Mitarbeit seines Sohnes Michael entstand, wurde ihm als erster deutscher Filmemacher nach dem Zweiten Weltkrieg der Academy Award (Oscar) für den besten Dokumentarfilm verliehen.

Bernhard Grzimek mit Gorilla

Foto: © OKAPIA KG

Für die, die ihre Kindheit in den 1960er und 70er Jahren erlebten, war Grzimek’s Sendung „Ein Platz für Tiere“ fester Bestandteil des Fernsehprogramms. Vorbild der Sendung war die US-Serie „Zoo Parade“. Beginnend im Jahre 1956 wurden bis zu seinem Tod insgesamt 175 Folgen der Serie ausgestrahlt, wobei er – wie ein Hochschul-Professor an seinem Schreibtisch sitzend – zu jeder Folge ein Tier aus dem Frankfurter Zoo mit ins Studio brachte, das dann während der Sendung auf ihm herumkrabbelte und Gegenstände auf dem Schreibtisch anknabberte. Die Gorilla-Lady, im Bild neben ihm, verhielt sich eher unbeeindruckt und wurde erst lebhafter, als ihr ein Korb mit frischem Obst gereicht wurde.

Schon 1945 wurde der Zoo im zerbombten Frankfurt wieder eröffnet, nachdem Grzimek kurz vorher zum Direktor berufen wurde. Während des Krieges wurden fast alle größeren Tiere des Zoos bei den Bombardements getötet. Um die Anschaffung neuer Tiere voran zu treiben lernte er mit seinem Sohn Michael das Fliegen von Sportflugzeugen und reiste nach Afrika. Hier erforschten sie gemeinsam das Leben der Tiere in freier Wildbahn, ihr Verhalten in Gefangenschaft, und welche zur Haltung im Zoo geeignet waren.

Das Fliegende Zebra, die Dornier-Do-27

Foto: © OKAPIA KG – Das fliegende Zebra

Bernhard und Michael Grzimek verbrachten in den folgenden Jahren mehrere Monate im Jahr in der Serengeti, wo Michael für seine Doktorarbeit forschte und gleichzeitig auch an dem Oscar prämierten Film arbeitete. Bernhard Grzimek konnte wegen seiner Stellung als Zoo-Direktor nur an etwa 80 Tagen im Jahr in Afrika sein. Diese 80 Tage erhielt er auch nur, weil er sämtliche Wochenend-Dienste im Zoo übernahm. Direkt nach Abschluss der Dreharbeiten im Jahre 1959 kollidierte Michael Grzimek bei einem Forschungsflug in seiner berühmten Zebra-gestreiften Dornier Do 27 (Kennung D-ENTE) mit einem Geier, stürzte ab und starb. Er wurde noch an diesem Tag am Ngorongoro-Krater begraben. Die Regierung Tansanias stiftete dort später die bekannte Steinpyramide als Denkmal.

Das Michael-Grzimek-Denkmal in Tansania

Foto: © OKAPIA KG – Das Michael-Grzimek-Denkmal in Tansania

Nach dem Tod seines Sohnes Michael begann sich Bernhard Grzimek zunehmend auch politisch für die Bewahrung der Natur und der Tierwelt, und besonders für vom Aussterben bedrohter Tierarten einzusetzen.
So überzeugte er die damalige tansanische Regierung in den 1960er Jahren von dem Plan abzulassen, das Gebiet der Maasai mit ihren Rinderherden aus wirtschaftlichen Gründen der Landerschließung und wegen der Wanderwege der Wildherden aus dem Gebiet des Ngorogoro-Kraters abzugrenzen und sie umzusiedeln, was eine komplette Veränderung des Ökosystems mit ungeahnten Folgen nach sich ziehen würde.

Auch in Deutschland sorgte er in den 70ern für Aufregung, als er heimlich die tierquälerischen Zustände einer deutschen Legehuhn-Batterie filmte und veröffentlichte.
Ebenfalls verdeckt filmte er Robbenjäger in der Arktis, die Robbenbabies mit Knüppeln erschlagen, um dann den teilweise noch lebenden Tieren das Fell abzuziehen.
Daraus entwickelte sich ein weltweiter Skandal über die Machenschaften der Pelzindustrie und führte dazu, dass Tierschützer reichen Damen in der Öffentlichkeit die Pelzjacken und -mäntel mit Farbe besprühten.
Er war der erste Umwelt- und Tierschutz-Aktivist, der seine Sendung sehr geschickt einsetzte um die erste grüne Politik in Deutschland zu machen.

Grzimek war obendrein ein Meister im Geld sammeln. Alle seine Filme und Projekte finanzierte er aus eigenen Mitteln und aus Spenden, um die er auch in seiner TV-Sendung bat. Er traf in Afrika reiche amerikanische Jäger und überzeugte deren Gattinnen von der Dringlichkeit seiner Sache. Gutaussehend und eloquent kam er bei den reichen Ladies aus Amerika gut an und war sehr erfolgreich im Sammeln von Spenden.
Eine Anekdote besagt, nach einem längeren, abendlichen Gespräch mit einer Amerikanerin in einer Lodge, fügte sie auf dem zuvor ausgestelltem Scheck über 10.000 Dollar zum Abschied noch eine Null hinzu.

Bernhard Grzimek

Foto: © OKAPIA KG

Mit Bernhard Grzimek verstarb am 13. März 1987 in Frankfurt am Main ein Mann, der in bewundernswert idealistischer Weise, aber auch mit dem notwendigen Pragmatismus sein Leben dem Umwelt- und Tierschutz widmete. Seine Urne wurde nach Tansania überführt und neben seinem Sohn Michael am Ngorongoro-Krater beigesetzt. Zu Michael Grzimeks Ehren wurden nach ihm mehrere Schulen in Frankfurt am Main, Berlin und in Nairobi benannt.

KenyaCoastGuide.com bedankt sich ausdrücklich bei Christian Grzimek und der OKAPIA KG für die freundliche Unterstützung.

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