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Deutsche Medien berichten kaum über Nairobi-Anschlag

Kenianer am Ort des AnschlagsAm Abend des vergangenen Samstag, 10.03.2012,  wurde in Nairobi ein schwerer Anschlag mit Granaten verübt. Aus einem Auto heraus wurden die Sprengsätze in eine Menschenmenge geworfen, die an einer Bus Station wartete. Es wurden sechs Todesopfer und mindestens 3o Verletzte gemeldet.
Die Behörden lassen keine Zweifel aufkommen, dass es sich bei den Drahtziehern um Milizen der radikal-islamistischen “Al-Shabaab” aus Somalia handelt.

Wirklich überraschend kommt das nicht. Seit dem Einmarsch der kenianischen Armee in Somalia aufgrund der zunehmenden Entführungen von Urlaubern an der Küste, war abzusehen, dass es vermehrt Anschläge in Kenia geben wird. Das zeigten schon die Anschläge vom Oktober 2o1o.

Erstaunlich ist allerdings, wie wenig und wie spät in Deutschland darüber berichtet wird. Abgesehen von den Online-Ausgaben der “Süddeutschen Zeitung” und des “Stern”– sie waren am schnellsten und berichteten schon am Samstag Abend um 22:48 – und des Handelsblatts mit einem bebilderten Artikel vom Sonntag 13:oo, war nichts zu lesen im deutschen Online-Blätterwald.

Bis zum Dienstag, dem 13.03.2012. Da schreibt die Online-Ausgabe der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung – FAZ” – immerhin 48 Stunden später – in ihrer ersten Meldung immer noch von vier Todesopfer. Eine Zahl, die spätestens am Sonntag schon nicht mehr stimmte.

Zwei Tage nach dem Ereignis bequemt man sich mal etwas über den Anschlag zu bringen, der immerhin in der Millionenmetropole Nairobi, der Hauptstadt Kenias stattfand. Und dann ist man noch nicht einmal auf dem Stand von vor zwei Tagen. Keine große Leistung für eine der größten deutschen Tageszeitungen.

Zur Information:
Nairobi gilt immerhin als das Medien-Zentrum Afrikas. Nachrichtenagenturen und TV-Sender aus aller Welt haben dort ihre Studios und Büros. Obwohl in ländlichen Gebieten Kenias die Funknetze oft zusammenbrechen, in Nairobi steht das Netz dauerhaft und auch Stromausfälle gibt es in dort nicht. Das wäre also keine Entschuldigung für die dürftige Berichterstattung.

Es drängt sich schon der Eindruck auf, dass man aus Kenia nur noch berichtet, wenn man unbedingt muss. Das begann schon mit dem Einmarsch der kenianischen Truppen in Somalia und den darauf folgenden Anschlägen der “Al-Shabaab-Miliz” im vergangenen Jahr. Da gab es zwar kurze Meldungen von TV-Nachrichten bis Online- und Printmedien, allerdings keine ausführlichen Erklärungen der Gemengelage an den Küsten von Somalia und Kenia – von irgendwelchen Sondersendungen oder “Brennpunkten” ganz zu schweigen.

Kann es etwa sein, dass das Somalia-Problem weiterhin bewusst ausgeblendet werden soll, da man sowieso keine Lösung parat hat und alle Konzepte zur Stabilisierung des Landes ohne militärische Mittel nicht durchzuführen wären? Sehr unpopulär wäre es auf alle Fälle, wo man doch noch mitten in dem Afghanistan-Schlamassel sitzt, und sich dort gerade herauszuwinden versucht.
Ein weiterer eventueller “internationaler Friedenseinsatz” oder “internationaler humanitärer Einsatz”, oder unter welchem Label auch immer, wäre sehr schwer vermittelbar und käme auch zur Unzeit – 18 Monate vor den Wahlen in Deutschland.

Es scheint aber auch international allgemein kein gesteigertes Interesse an einer Lösung des Somalia-Problems zu bestehen. Lieber stochert man mit ein paar Fregatten wie mit Strohhalmen in der Bowle-Schüssel herum, und lässt die Reedereien, Versicherer und vor allem die Touristen der Kreuzfahrten die abgestandene Plörre auszuzeln. Von der Bevölkerung natürlich ganz zu schweigen, die verhungernd zwischen den Fronten umherwandert.

Es wird Zeit, dass man sich in Europa endlich klar macht, welche Möglichkeiten in einem befriedeten und prosperierenden Afrika liegen, und sich endlich mehr engagiert.
Man könnte auch sogar die Chinesen schlecht aussehen lassen, denen es nämlich herzlich egal ist, wer da gerade wessen Bevölkerung dezimiert, und nur den Profit im Blick haben.
Aber selbst China hat erkannt, dass Afrika der Kontinent der Zukunft ist. Zur Imagepflege und zur Verbreitung der chinesischen Weltsicht hat man in Nairobi schon mal ein CCTV-Studio als TV-Zentrale für ganz Afrika hingestellt. Die Europäer können mit Ähnlichem nicht aufwarten.

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